Ausstellung: „MatheMagie“ – Arbeiten von Barbara Doser, Heidulf Gerngross, Hofstetter Kurt, Martina Schettina und Reto Schölly (D)

Vernissage: Do 12. April 2012, 19h

Begrüßung: Bürgermeister Martin Schuster

Zur Ausstellung spricht Mag. Martina Schettina.

Barbara Doser und Hofstetter Kurt zeigen ihr Experimentalvideo „zart_B“.

Ausstellungsdauer bis 28.4.2012; geöffnet: Fr 16-19h / Sa 10-15h

„Kunst und Mathematik bildeten immer schon eine verschwiegene Komplizenschaft …“ (Konrad Paul Liessmann)

Das Experimentalvideo „zart-B“ (7 min, mini DV, b&w, 4:3, pal, stereo, 2010 AT) „ist eine synästhetische Klang- und Bewegtbildkomposition. Sie thematisiert potentielle Unendlichkeit durch das Möbius- und Musterprinzip und reflektiert auf das unendliche emotionale Spektrum der Begrifflichkeit ,zart‘.“
„Akustisch handelt es sich um den 2. Satz der Möbiuskantate ZART von Hofstetter Kurt, die er ausschließlich mit Möbius Sounds komponierte. Ein Möbius-Sound ist die zeitliche Version des räumlichen Prinzips einer Möbiusschleife, wo Ober- und Unterseite ident sind. Um einen Möbius Sound zu generieren werden aus einem Klang zwei Tonspuren generiert, die einander entgegenlaufen, indem eine der beiden Tonspuren rückwärts angeordnet wird. Dadurch klingt der Sound vor- und rückwärts gespielt ident. Der Anfang ist gleichzeitig das Ende des Klanges, das Klangpotenial ist gleichzeitig in die Vergangenheit und in die Zukunft gerichtet.
 Zur vorgegebenen Musikkomposition wurden Bewegtbilder generiert, die auf Video-Feedback-Materialien basieren. Video-Feedback-Bilder entstehen durch die Rückkoppelung von Bildinformation zwischen einer Videokamera und einem Monitor. Die in einem solchen Prozess entstandenen abstrakten Formen wurden auf die Umrisslinien reduziert und seriell in einer Matrix angeordnet. Dadurch ergeben sich vernetzende dynamische Bewegtbildmuster, deren nichtlineare Bewegungsstrukturen mit den Klängen synästhetisch verwebbar sind. Der Rhythmus der Musik gibt zeitgleich die rhythmische Bewegung der abstrakten Formen bzw. deren Bewegung als Form beim Rezipienten vor.
 Der abstrakte Begriff ,zart‘ verweist durch seine emotionale Weite ins Unendliche. ,zart‘ ist ein vieldeutiges Adjektiv und beschreibt als solches die Beschaffenheit oder Beziehung eines konkreten Dinges, einer abstrakten Sache, eines Vorganges oder Zustandes. ,zart‘ hat in der deutschen Sprache mehr als 30 Bedeutungen und mehr als 500 Synonyme. Sein Gegenteil ist genauso wenig eindeutig fassbar. Trotz seines enormen Begriffsinhaltes und -umfangs hat jeder Mensch ein genaues Wissen um ,zart‘, das von Intuition und Emotion geprägt ist. Durch wiederholtes Erfahren und Wiedererkennen liegt die individuelle Bedeutung schließlich als persönliches Muster vor. Denn die Wiederholung konstituiert das Muster, ist sein Hauptcharakteristikum und Ursache für seine potenzielle Unendlichkeit.“ (Barbara Doser, Hofstetter Kurt)

„Die Video-Feedback-Bilder sind von einer Ästhetik geprägt, die aus der Methode ihrer Generierung am Ereignishorizont zum Chaos resultiert. Es entstehen Formen in Bewegung und Bewegung als Form, chaotische Kosmen voll räumlicher Komplexität und dynamischen Verhaltens. Sie sind ohne konkreten Inhalt, deshalb in ihrer Rezipierbarkeit von einem Freiraum umgeben, der abseits konventioneller Wahrnehmung und Sichtweisen veranlasst, kognitiv ‚Wirklichkeiten’ zu konstruieren – resultierende subjektive Mutationen als Korrelat im Kopf.„

 (Barbara Doser)

Heidulf Gerngross präsentiert Objekte in Form des von ihm erfundenen Archiquanten, einer architektonischen Einheit, die aus dem Goldenen Schnitt entwickelt wurde. Diese neue geometrische Figur setzt der Künstler in seinen Arbeiten unter Verwendung verschiedenster Materialien um.

Der Archiquant von Heidulf Gerngross, Konstruktion von Hofstetter Kurt, in: ST/A/R, Nr. 27, 2011, 13.

„Der Archiquant ist der rechte Winkel des 21. Jahrhunderts.“ (ST/A/R, Nr. 27, 2011, 13.)

 

 

 

Hofstetter Kurt zeigt auf Kunstdrucken aperiodische Muster, die sich durch optische Dynamik und Lebendigkeit auszeichnen und auf die surrealistische und konstruktive künstlerische Arbeit mit seiner Methode der Induktiven Rotation aus dem Jahre 2008 zurückgehen.

Dabei „dreht er Grundformen, wie beispielsweise die Kugel im dreidimensionalen Raum jeweils um 90 Grad und fixiert diese Drehung. Im nächsten Schritt lässt er nun diese resultierende Konstellation aus vier teilweise angeschnittenen Kugeln wiederum in 90 Grad Schritten rotieren. Diesen Prozess wiederholt er viele Male“ und erreicht dadurch „eine räumliche, sich ständig ausdehnende Struktur die er mittels Parallelprojektion auf die Ebene zu großflächigen Bildern generiert. Das Besondere dieser Bilder liegt in der gänzlichen Unregelmäßigkeit ihrer Formenkonstellationen“ (Wolf Guenther Thiel).

Die Kubische See / Cubic_C                       
12 Bildskulpturen aus der Kubischen See – das Nie endende Aneinander von Nicht-Perioden (Aperioden)

 

 

 

Kunstdruck 67,5 x 96,75 cm / Papierskulptur (Seitenlänge 18cm) Offsetdruck Schwarz auf weissem Karton, Auflage: 343 nummeriert in (x,y,z) – Raumkoordinaten

„Auf Kunstdrucken von dem aperiodischen und asymmetrischen Muster – Die Kubische See (Hofstetter Kurt, 2011) – wird die abgerollte Struktur eines Faltwürfels gestanzt und gerillt, die sich aus dem Bild lösen um sich räumlich zu einer Skulptur aufzufalten.“ (Hofstetter Kurt)

Um die Visualisierung mathematischer Fragestellungen geht es in den Arbeiten von Martina Schettina. Bei äußerst sparsamem Einsatz formaler Mittel werden etwa Zahlenreihen, Legespiele oder Geheimbotschaften nicht nur zur Darstellung gebracht, sondern auch jeweils in einem begleitenden Text erläutert. Was der berühmte Mathematiker des Mittelalters, Leonardo von Pisa, auch Fibonacci genannt, mit Kaninchen zu tun hatte, wird ebenso thematisiert wie die Psephoi-Arithmetik der Antike.

Gnomon q

Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm, 2010

„Die Geburt der Schönheit aus dem Geiste der Zahlen ist die Lehre der Griechen. Die mathemagischen Bilder von Martina Schettina sind ein schöner Beweis.“ (Peter Weibel)

 

 

Reto Schölly zeigt seine ausschließlich aus mathematischen Funktionen generierten Matrixbilder. Bei ihm „wird der Computer zum Werkzeug, der Mensch zum Schöpfer, das Bild zum Schöpfungsakt“ (Martina Schettina).

MATGX-GELB

Der blaue Fluss fließt durch die Wüste wie der Absolutwert Wasser vom Sand trennt. 1×1 Meter Leinwanddruck, Keilrahmen

„Mathematik ist schön. Aus den einfachsten Zusammenhängen entstehen Komplexität und Harmonie, Un-Ordnung, Über-Ordnung und Unter-Ordnung.

 

Aus mathematischen Termen entstehen die wunderbarsten Bilder. Mathematik ist bei mir Werkzeug und Zahl ist Werkstoff.

Meine Form des Designs soll schlichtweg eines bewirken: Freude bereiten.“ (Reto Schölly)

Die Bilder wurden von den KünstlerInnen zur Verfügung gestellt.

Die KünstlerInnen:

Barbara Doser (geb. 1961 in Innsbruck) lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien; Doktorat der Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck, seit 1998 PARALLEL-MEDIA – Künstlergemeinschaft mit Hofstetter Kurt. Die Künstlerin arbeitet mit Video Feedbackmaterialien in den Bereichen Experimentalvideo, Video/Rauminstallation, Objektkunst, Malerei und Print, diese wurden bisher in mehr als 40 Ländern gezeigt.

Der in Wien lebende vielseitige Architekt Heidulf Gerngross (1939 in Kötschach/Kärnten geboren) studierte Architektur in Wien und Graz, Malerei in Tokyo sowie Urban Design in Los Angeles. Zahlreiche ausgeführte Projekte, Veröffentlichungen, Vorträge, Teilnahme an der Architekturbiennale Venedig 2002, Herausgeber der Zeitschrfit ST/A/R, Städteplanung, Architektur, Religion.

Der Konzept- und Medienkünstler Hofstetter Kurt (geb. 1959 in Linz) lebt und arbeitet in Wien. Computer-, Klang-, Licht-, Video- und Internetarbeiten, Experimentalvideos mit Barbara Doser (PARALLEL MEDIA), Installationen im öffentlichen Raum, Kompositionen, Ausstellungen und Präsentationen im In- und Ausland.

Martina Schettina (geb. 1961) studierte Mathematik und Physik an der Universität Wien und erhielt an der Sommerakademie Geras sowie an der Universität für Angewandte Kunst ihre künstlerische Ausbildung. Ausstellungen im In- und Ausland, Vorträge zum Thema Kunst und Mathematik, Performances und Action Teachings in Zusammenarbeit mit Bazon Brock in Karlsruhe und Berlin. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Langenzersdorf, Niederösterreich.

Reto Schölly (geb. 1980) studierte Technische Kybernetik an der Universität Stuttgart und Wirtschaftswissenschaften an der AKAD Hochschule Stuttgart. Ausstellungen in Österreich und Deutschland, Vorträge, Kleinkunstprojekte, Teilnahme an der Lichtkunstbiennale Linz (2010).

 

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