Texte zu INTERN II

Die folgenden Textpassagen zu ihren Arbeiten wurden von den Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung INTERN II zur Verfügung gestellt: 

Nora Bachel

EINFACH ORNAMENTE, Serien zum Labyrinth

Die Zeichnungen gehen zurück auf die Entwürfe für die Installation „Labyrinth, Ornament im Raum 4“ 2006 in Kairo. Der Grundriss dieser Installation besteht aus konzentrischen Kreisen, die sich wie die Wellen im Wasser nach einer Berührung seiner Oberfläche ausbreiten.

Die Komposition ist in zwei Hälften unterteilt, deren ornamentale Gestaltung im Umfang symmetrisch ist, in der Binnenzeichnung hingegen zu zwei unterschiedlichen Bereichen führt. Die geschlossenen konzentrischen Kreise und das Geflecht ihrer Überschneidungen stehen dem Labyrinth in der oberen Hälfte der Zeichnung  gegenüber. Jede Zeichnung ist eine Auswahl aus unendlich vielen Möglichkeiten. O.T. 1 – 3 ist der Beginn einer Serie, deren Zeichnungen um eine Einheit erweitert wurden. Die Dreiteiligkeit eröffnet ein neues Bild der Symmetrie oder den Ansatz zu einem fortlaufenden Band.

Paul Braunsteiner

„Feuer“

Aus den Abgründen der Ewigkeit von Zeit und Raum zwischen den Leuchtfeuern des Kosmos herabgesickert auf steinerne, unberührte Welten, beginnt die unheilvolle Saat zu keimen, anfangs heimlich und versteckt, wie selbst ahnend seine grauenvolle Bestimmung. Aus molekularen Substraten hervorkriechend, erschaffen sich groteske Wesen selbst, entwickeln sich zu immer schrecklicheren, monströseren Kreaturen, die sich in unzähligen Schlachten gegenseitig verstümmeln, verschlingen, vernichten. Die Sieger sind keine Sieger, denn auch ihre Bestimmung ist der Tod.

Ingrid Cerny

„Räume werden geschaffen, wo nichts geschieht, Stillstand ist. Räume, wo alles geordnet ist und wo alles durcheinander geraten ist, auseinander genommen. Wo es sinnvoll zugeht und wo kein Sinn zu entdecken ist, kein schon bekannter Sinn.

Räume, wo das Spielen zu lernen ist.“ (Gustav Schörghofer SJ)

Lisa Est

Beim Zeichnen nehme ich mir alle Freiheiten – Szenen werden bewusst konstruiert – montiert – Reales mit Möglichem – bis hin zur Verschmelzung von Identitäten, Formen, Raum und Zeit. In allen Bereichen meiner Arbeit – Zeichnung, Schlagzeilengrafiken, Animationsfilmen – thematisiere ich den menschlichen Körper – oft meinen eigenen – und seine Ausdrucksmuster. Wer zu sehen ist, was zu sehen ist: Freie Phantasie oder bestimmt durch die eigene Prägung, die eigene Verhaltensweise den Themenfeldern gegenüber.

Frei nach Peter Handke gilt für mich: „Alles, was herausgefunden werden kann, wird allein herausgefunden.“

Meine Bilder sollen keine sein, die man schnell wieder vergisst, sie sollen auch vom Betrachter „herausgefunden“ werden – und bleiben.

Birgit Fiedler

„Alles Fassade…“

Die Foto-Lithografien sind Teil des „covered“-Zyklus, einer konzeptuellen Arbeit im Kontext von „Fassade“, „Verdecken“ und „Verschleiern“. Fassaden werden während Bauarbeiten verhüllt zum Schutz dessen, was sich davor befindet und was dahinter stattfindet.

Diese Verhüllungen werden, wenn überhaupt, nur als ephemer und unbedeutend wahrgenommen und das ungeachtet ihrer interessanten ästhetischen, gelegentlich expressiven Qualitäten. Oft erscheinen darunter liegende Schichten überraschend in Szene gesetzt, statt verborgen. Bei aufmerksamer Betrachtung entsteht die Tendenz, den ersten oberflächlichen Eindruck als Impuls für weitere Auseinandersetzung zu nutzen – entsteht narrative Qualität. Die Auswahl von Blickwinkel und/oder Detail abstrahiert, schafft Raum für Neu-Interpretation und -Definition.

Planen werden an Baugerüsten aufgezogen, um Fassaden zu verdecken, die ihrerseits etwas (ver)bergen sollen… der Spiegel im Spiegel… Metapher mit Interpretationsspielraum.

Text von Alexander Kluge, zu lesen in Braille-Schrift auf einer der Arbeiten:

Die Wünsche und das Mögliche gehören zur Realität. Und der Antirealismus des Gefühls: dass ich mich weigere, eine Realität, die nicht auf mich eingeht, zu akzeptieren, sondern sage ich setze meine Realität dagegen, dieser Eigensinn ist etwas, was für Menschen so zum Realismus gehört. Realismus ist nicht Abbildung von Tatsachen. Alexander Kluge

Zur Technik:

Lithografie basiert auf dem Prinzip der Abstoßung von Fett und Wasser. Auf völlig plan geschliffene Platten Solnhofer Kalksandsteins wird mit fetthaltiger Kreide oder Tusche gezeichnet oder gemalt. Fett wie auch Wasser können von diesem porösen Stein aufgenommen werden. In einem recht zeitaufwändigen chemischen Prozess werden die hydro- bzw. lipophilen Eigenschaften intensiviert: Die nicht bezeichneten Partien werden quasi mit Wasser getränkt, d.h. gleichzeitig Fett abweisend gehalten. Die fettige Zeichnung wird stabilisiert. Für den Druck wird mit breiter Walze in mehreren hauchdünnen Schichten Farbe aufgetragen, während auf dem Stein ein dünner Wasserfilm steht. Dank der Präparierung wird die Druckfarbe vom Stein nur auf den mit fettiger Substanz bezeichneten Partien angenommen und beim Druck unter hohem Anpressdruck wieder auf das Papier übertragen.

Dieses Prinzip des Druckes auf Stein wird auch bei der Foto-Lithografie angewandt. Es werden Aluminium-Platten verwendet. Sie haben den Vorzug geringeren Gewichtes und sind mit fotoempfindlichen Schichten ausgerüstet. So ist eine Arbeit auf der Grundlage von (digitalen) Fotografien möglich: Transparente positive Vorlagen werden unter UV-Licht auf die beschichtete Platte belichtet, mit entsprechenden Chemikalien entwickelt, fixiert und hydrophil bzw. fett“freundlich“ präpariert. Der Druck erfolgt ähnlich wie oben beschrieben auf einer Lithografie-Presse.

Karin Frank

 Bei Karin Frank ist der Tastsinn naturgemäß ein enorm wichtiger in ihrer Arbeit als Bildhauerin. Ihr gelingt es, mit ihren Skulpturen in unser Innerstes vorzudringen, diese Arbeiten arbeiten in uns weiter. Sie ist für mich in ihrer kompromisslosen Darstellung des menschlichen Körpers ähnlich frei agierend wie Egon Schiele. Die „Verstrickung“ stellt für mich das Ausgesetztsein an der Sucht oder den Bedürfnissen des eigenen Körpers dar.“ (Andrea Wallenta)

Astrid Grohmann

 Die Arbeiten spiegeln innere Bilder wieder, die in Träumen, Reisen ins Unbewusstsein oder Meditationen aufgetaucht sind. Die verschiedenen Elemente wie Wasser oder Himmel oder Naturhintergründe wie Wasserfälle, Orchideen bewusst gewählt und verfügen neben ihrer tatsächlichen Bedeutung über eine weitere Symbolik, wie der Maibaum die Fruchtbarkeit, die Orchidee die weibliche Sexualität oder der unterirdische Wasserfall das Eintauchen in Welten jenseits unseres alltäglichen Erlebens. Oft zeige ich auch verschiedene Persönlichkeitsanteile oder Wunschvorstellungen, die in einem Bild zusammengesetzt sind.

Die Fotoarbeiten zeigen den inneren Konflikt zwischen Seelenwünschen, die an den Grenzen der Realität rütteln oder am eigenen Verstand scheitern. Sie weisen auf verschiedene Persönlichkeitsanteile hin oder drücken innere Dispositionen wie Nähe und Distanz aus. Dahinter steht der Wunsch nach Überlagerung, Verdrängung, Auflösung und Transformation.

Daher sind die Fotoarbeiten auch technisch gesehen Überblendungen. Im Photoshop werden mehrere Bilder übereinander gelagert, die Grenzen verschwimmen, lösen sich auf oder treten als deutliche Fragmente hervor.

Die Titel sind Textteile oder Titel von bekannten Songs (z.B. Janis Joplin), sie geben die Stimmungen, in der die Aufnahmen entstanden sind, wieder oder weisen auf Beweggründe hin.

Peter Hofmann-Gir

Zum Objekt „WÜSTENNOT “, 1989

Meinen Sie, aus Habana,

weiß und hibiskusrot,

bräche ein ewiges Manna

für Ihre Wüstennot?

(Gottfried Benn)

Der britische Schauspieler Peter William „Pete“ Postlethwaite spielte Shakespeares „King Lear“. Die Nachricht von seinem Tod am 2. Jänner 2011 inspirierte Peter Hofmann zu seinen Arbeiten.

„Am 2.1.2011 hörte ich im Radio, dass Pete Postlethwaite verstorben ist. Spontan schuf ich, quasi als Tribut an ihn, diese beiden Arbeiten. Der Text, der die Frage stellt „Wo sind sie in diesem Moment, Mr. Postlethwaite?“ wird vom Betrachter im Moment seiner Betrachtung durch Lesen eben dieser Frage gestellt und eröffnet ihm dadurch eine weitere Ebene außerhalb der Bildbetrachtung.

(Eine Anekdote dazu. Peter Handke auf die Frage eines Journalisten, was auf seinem Grabstein einst stehen soll. „Ich bin hinten“. Der Journalist: „Sie meinen ich bin unten“, Handke: „Nein, ich bin hinten, so wie man für einen Besucher auf ein Gartentor schreibt ich bin hinten im Garten“, „Unten sind die Kapitalisten, hinten aber die Träumer, ich bin ein Träumer“.)“

Werner Hollunder

„Die Beweglichkeit erweist sich oft als wichtig. Raum entsteht als etwas, das durchmessen wird. Immer ist etwas Spielerisches dabei. Die Gebilde werden in Bewegung gesetzt. Ihre Bewegung hat etwas Exaktes, Wohlbemessenes. Alles schaut sehr vernünftig aus. Es gibt viele Annäherungen an jene Vorstellungen von Wirklichkeit, die beherrscht sind vom Wunsch nach Nützlichkeit, praktischer Verwertbarkeit. Doch knapp vor der Bestätigung dieser Vorstellung verweigern sich die von Werner Hollunder geformten Dinge mit einem Mal. Sie machen da nicht mit. Als beinharte Verweigerer stehen sie dem Betrachter, der Betrachterin entgegen, manchmal sogar ein bisschen agressiv.“ (Gustav Schörghofer SJ)

Richard Jurtitsch

 Zwei Bilder aus der Serie „Zu Gast bei …“ laden die Betrachter ein, einen Blick in Räume bekannter Persönlichkeiten zu werfen. In diesem Fall sind es jene von Leopold Goldmann und Karl Kraus. Der Künstler sammelt für diese Arbeiten Fotodokumentationen und Inventarlisten.

Dazu meint Silvie Aigner: „Hauptsächlich beschäftigt Richard Jurtitsch die Aura des damaligen Zeitgeschehens und die Frage danach, was sich hier abgespielt haben könnte, wer in diesen Räumen zu Gast war? So entstehen fiktive und reale Szenerien.“

Brigitte Lang

Als ich vor Jahren in einer Gasse einen Koffer zur Entsorgung mit Babywäsche fand entstand die Idee, diese als Synonym für das Menschsein zu visualisieren. Die erhobene Faust begehrt auf gegen herrschende Zustände und mahnt Verantwortungsbewusstsein und soziales Gewissen ein.

Die „ZUKUNFT“ gehört immer den Kindern, letztlich sind „ALLE“ von den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen betroffen, die für die Zukunft entschieden werden.

Sabine Müller-Funk

 Ausstreichungen des Nichts

Eine teilweise mattierte Glasfläche als Zeichenfläche bietet dem gleichen Graphitstrich einmal Angriffsfläche, einmal nicht:

an der mattierten Fläche reibt sich das Medium ab, an der glatten Fläche nicht. Unter dieser Versuchsanordnung stellt die Zeichnung eine besondere provozierte Reaktion auf ein ausgewiesenes „Nichts“ dar.

Das Glas als Trägerfläche allgemein bietet die Möglichkeit, die Zartheit des Striches im Raum schweben zu lassen.

Kurt Müllner 

ARBEITEN  AUS  WELLPAPPE:

Mich interessieren neben den bekannten und geschätzten Werten wie Festigkeit und Leichtigkeit bzw. Festigkeit und Weichheit die inneren und ästhetischen Werte des Materials.

Die Sinuslinie und ihre Möglichkeiten machen neugierig. Durch die Stärke des Materials ergeben sich Tiefe und Plastizität und daraus wiederum Raum für Licht und Schatten.

Ich versuche, diese besonderen Eigenschaften der Wellpappe herauszuarbeiten, indem ich Schichten freilege oder diese zerlege und anschließend neu zusammensetze. Dabei interessieren mich besonders die räumliche Dimension sowie die überraschenden Wirkungen, die sich aufgrund der inneren Struktur des Materials ergeben.

Viktoria Popova

In den letzten Jahren beschäftige ich mich mit den Zeichnungen, die mit der Natur verbunden sind. Da finde ich meine Ruhe und Gelassenheit. Die Fotographie gibt mir die Möglichkeit den Moment zu fangen, wo die Natur sich bewegt. Im Atelier „bewege“ ich die Aufnahme weiter, zeichne aus dem Foto nach außen, gehe oft von dem Konkreten ins Abstrakte. Verbinde Farbe und Monochromes, arbeite viel mit Kohle.

Katja Praschak

„Nicht rastlos hektische Innovationssuche um jeden Preis, sondern dem Wesen der Malerei mit neugieriger Ruhe so nahe wie möglich zu kommen.” – M. M. Lang

„Dem Realismus der Bilder von Katja Praschak liegt eine tief empfundene Vielschichtigkeit und Wandelbarkeit der Welt zugrunde. Die Reflexion des Ihr zugänglichen Kosmos wird zum Bildinhalt und in eine in die Fläche realisierte Wirklichkeit gebannt. Es ist eine Forschungsreise in die Wechselwirkung von Innenwelt, Außenwelt und Maß (prèpon), welches durch Malerei hergestellt werden muss.”  – Robert Trsek

„Katja Praschak hat wertfrei geschaute Momente einfach nur „fest gemalt“ und manchmal aus ihrer neu empfundenen Erinnerung verändert, teilweise neu gestaltet . Ohne Anspruch auf eine besondere Bedeutung.“  -M. M. Lang

Alles kann Motiv sein. Der scheinbare Dreiteiler „Fischmarkt, Schneidbrettln, Fish and Chips“ war von mir gar nicht als solcher gedacht. Inhalte oder Absichten stehen nicht im Vordergrund meiner Arbeit (passieren unbewusst), sie liegen beim Betrachter.

Günter Praschak             

Bedingt durch einen Aufenthalt bei einer archäologischen Grabung in Griechenland beginnt die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur. Es setzt ein Prozess des Rückerinnerns an den Ursprung der Skulptur ein. Es entstehen Figuren und Figurengruppen oder auch Architekturfragmente, deren Sujet den Mythen des westlichen Kulturkreises entspringt. Als Lösung von der Last der Erde entstehen später Propheten und geflügelte Wesen, die wieder von stabförmigen, scheinbar instabilen, aber dennoch in sich ruhenden Stelen mit fragmentarischen Andeutungen an die Menschengestalt, die an sich manchmal zu Gruppen formieren, abgelöst werden. In letzter Zeit gewinnen meine Skulpturen wieder Boden unter den Füßen und stehen fest auf der Erde, wohl auch ein Zeichen meiner Entwicklung und ein tiefes inneres Bestreben.

Johann Julian Taupe

„Johann Julian Taupe verbindet in seiner Arbeit unterschiedliche Gestaltungssysteme der abstrakten Malerei. Geometrisch-konstruktive und lyrisch-gestische Ansätze werden miteinander verknüpft. Taupe legt sich jedoch in seinen Werken nicht fest, sie changieren zwischen den Polen.

Dem Werk ist nicht mit gewohnten Kategorien beizukommen. Immer wenn man meint, dem Maler auf die Schliche zu kommen, verliert man die Spur wieder…“ (Mag. Christine Grundnig, MMKK)

Judith Wagner

 Die drei Terrakotta Köpfe entstammen der Serie: „What I Am“. Die Identifizierung findet in der und durch die Gruppe statt.

Blecker 1 ist eine aggressive, angreifende und auch „ausgehöhlte“ und „verletzte“ Figur, der Mensch, vom Leben gezeichnet, fordert seine Unschuld zurück.

Bei den Zeichnungen werden Machtverhältnisse und Opfer Täter Rollen dargestellt.

Andrea Wallenta

Die unbarmherzige Schönheit des Raureifs hat im Oktober 2010 die Wiese hinter meinem Atelier in ein Renaissance Muster verwandelt.

Verlorene Kleidungstücke auf diesem Grund, erfasst vom Reif, erstarren zu einer traurigen Geschichte. (Weitere Aufnahmen aus dieser Serie auf www.andywallenta.com unter Fotos.)

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